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Besondere Veranstaltung 2011
Klavierkonzert mit Konzertpianistin Anna Tyshayeva

 

"zum 200. Geburtstag von Franz Liszt"
Das Konzert fand am 10. April 2011 statt.

Konzertrückschau

 

Wer von den 70 Zuhörern erwartet hatte, ein Klavierkonzert nur mit Werken von Liszt zu hören, hatte sich geirrt. Aber sehr zum Vorteil – meine ich. Denn die beiden Eingangsstücke Präludium und Fuge c-moll aus dem Wohltemperierten Klavier und die Partita Nr. 2 in c-moll spielte die junge Konzertpianistin Anna Tyshayeva mit einer solchen Hingabe und Freude, dass man innerlich eingestimmt wurde auf ein großes Musikerlebnis. Ich hatte den Eindruck, sie spielte nicht nur Bach, sie lebte diese Musik!

Wunderbar, wie sie die unterschiedlichen Sätze der Partita nuancierte, mal feurig, mal verhalten, dann wieder ganz leicht und durchsichtig, so dass der ganze Reichtum dieses Werkes transparent wurde. Es folgten eine Choralbearbeitung von Bach in der Fassung von Ferruccio Busoni „Nun komm der Heiden Heiland“ und von Gottfried Heinrich Stölzel die Bearbeitung der Arie „Bist du bei mir“, beide sehr besinnlich vorgetragen – sozusagen ein Ruhepunkt im Konzert, der auf die großen Werke im zweiten Teil vorbereitete. Vor der Pause dann noch Fantasie und Fuge a-moll (BWV 904) auf der Orgel.

Nach der Pause folgte der romantische Part, beginnend mit der C-Dur Fantasie von Robert Schumann, welche dieser 1836 Franz Liszt gewidmet hatte. Und dann als Höhepunkt des Konzerts die grandiose Klaviersonate in h-moll, die Liszt 1853 sozusagen als Gegengeschenk Robert Schumann gewidmet hatte.

Tyshayeva stellte zunächst die Sonate vor, sie sei eigentlich ein dramatisches Stück, besetzt mit drei Charakteren, die sie jeweils kurz erklingen lies: Mephisto mit seinem hinterfragenden Charakter, ein Faustmotiv und ein lyrisches Gretchenmotiv – es gehe um nichts Geringeres als den Sinn der Liebe mit ihren Abgründen und Fraglichkeiten.

So vorbereitet fiel es leichter, in dieses Werk einzutauchen: 25 Minuten ohne Pause und ohne Noten, eines der technisch anspruchsvollsten Klavierwerke der Romantik – eine solche Intensität der Begegnung mit Liszt hatte ich nicht erwartet – und war begeistert.

Danke, Anna!

Hans-Ulrich Hofmann
 

 

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