Evangelisch-methodistische Kirche
Christuskirche
Frankfurt-Innenstadt
Besondere Veranstaltung 2012
Neujahrskonzert mit Konzertpianistin Anna Tyshayeva

 

"Ave Maria"
Das Konzert fand am 08. Januar 2012 statt.

Konzertrückschau


Meeresstille und glückliche Fahrt


Neujahrs-Konzert für alle in der Christuskirche 8.1.2012

Ein Konzert mit Anna Tyshayeva ist ein hoher Musikgenuss und beglückt mit überraschenden Interpretationen.
So zu Eingang einige Stücke von Bach. Ich bin oft beeindruckt von Pianisten, die Bach wie einen Wildbach zu Tal stürzen lassen und man sich am Tempo und der rasanten Folge der Harmonien und Läufe erfreuen kann. Anders Tyshayeva: Bei ihr wird Bach nicht heruntergehetzt, sondern es entwickelt sich ein ruhiges und konzentriertes Zwiegespräch der Stimmen und Harmonien. Und es ist angenehm und tröstlich, dem ruhigen Verlauf der Musik zu folgen.
Die beiden Satze aus dem Impromptu Op. 90 von Schubert erschienen mir wie ein mildes Abendlied, unterbrochen von leichtem Grummeln, in denen Abgründe angedeutet werden. Auch die rasanten Läufe kamen ganz geschmeidig zu Ohren. Wie subtil doch die Musik von Schubert ist.
Schuberts Ave Maria in der Bearbeitung von Liszt: eine schlichte, mütterliche Melodie, in vielen Farben und Stimmungen sorgsam ausgeleuchtet.
Cesar Franck komponierte 1884 ein der schönsten und spätromantischer Klavierwerke, „Prelude, Choral und Fuge“. Tyshayeva erschloss die komplexen Harmonien sehr behutsam und entführte die Zuhörer in die philosophische und facettenreiche Gedankenwelt des 62-Järigen Meisters.
Abschließend Franz Liszts Sonetto del Petraca n. 104: Hier war zu spüren, das Tyshayeva die Sprache der Romantik beherrscht, ein weicher, transparenter Anschlag, man möchte, dass diese Musik niemals aufhört.

Nach stehendem Applaus gab es noch zwei Zugaben: Franz Liszts Mephisto Walzer: Hier nun kam wirklich der Wildbach, das Teuflische an dieser Musik sind die technischen Anforderungen an die Pianistin, die Tyshayeva souverän meisterte. Mephisto selber erschien eher als tiefgründiger Gesell, anziehend und überraschend zugleich.
Zum Ausgang Schubert „Auf Wassern zu singen“ in der Bearbeitung von Liszt: Eine zusammenfassende Beschreibung dieses Konzertabends, das Wasser in all seinen Nuancen zwischen Stille und heftigen Kaskaden. 
Man wünscht dieser Musikerin eine große Zukunft (und der Christuskirche einen Flügel)!
Muss man noch hinzufügen: Noten waren keine zu sehen, aber ein Kosmos von Musik wurde zum Leben erweckt.

Hans-Ulrich Hofmann

Auf dem Wasser zu singen: Schubert’s Lied auf die Wörte von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg:
Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen


Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn:

Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen

Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;

Denn von dem Himmel herab auf die Wellen

Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.

Über den Wipfeln des westlichen Haines

Winket uns freundlich der rötliche Schein;

Unter den Zweigen des östlichen Haines

Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;

Freude des Himmels und Ruhe des Haines

Atmet die Seel im errötenden Schein.

Ach, es entschwindet mit tauigem Flügel

Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit;

Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel

Wieder wie gestern und heute die Zeit,

Bis ich auf höherem strahlendem Flügel

Selber entschwinde der wechselnden Zeit.


Programm an diesem Abend


J.S.Bach: Präludium und Fuge in c-moll; Präludium in C-Dur; Fantasie und Fuge in a-moll

Franz Schubert: Impromptu op.90.n.3, Impromptu op.90.n.2 

Franz Schubert / Franz Liszt: Ave Maria

Cesar Franck: Präludium, Choral und Fuge

Franz Liszt: Sonetto del Petrarca n. 104


Vita Anna Tyshayeva

Sensibilität, Leidenschaft, Fantasie und hohe künstlerische Reife zeichnen das Spiel der Konzertpianistin Anna Tyshayeva aus. Von der Presse wurde sie als "Tastenkönigin" mit "vollendeter Darbietung" gefeiert und von der Fachwelt für die Intensität ihres Ausdrucksvermögens, Intelligenz, gesundes Stilempfinden und spieltechnische Eleganz hoch gelobt. Die in Frankfurt am Main lebende Pianistin ist eine international konzertierende Solistin und Kammermusikerin und regelmäßig Gast renommierter Konzertreihen und Musikfestivals. Neben ihren zahlreichen Auftritten in Deutschland führten sie Konzerte bereits nach Dänemark, Belgien, Italien, Frankreich, Japan, in die Slowakei, die Schweiz und in die Ukraine. 

Anna Tyshayeva wurde in Odessa/Ukraine geboren. Zunächst studierte sie am Musikgymnasium für Hochbegabte und am staatlichen Konservatorium ihrer Heimatstadt bei Prof. Nikolaj Kryzhanovsky. Nach ihrem Wechsel in die BRD führte sie ihre künstlerische Ausbildung an der Frankfurter Musikhochschule in der Klasse von Prof. Irina Edelstein fort. Nach ihrem Abschluss war sie Studentin der Fortbildungsklasse an der Musikhochschule Nürnberg bei Prof. Wolfgang Manz und der Solistenklasse bei Leonid Dorfman an der Musikhochschule Trossingen. Orgelunterricht bei Prof. Reinhardt Menger ergänzte ihren künstlerischen Werdegang. Sie schloss ihr Studium mit dem Konzertexamen erfolgreich ab (Konzert in G-Dur von M. Ravel für Klavier und Orchester im Konzerthaus Trossingen) 

Anna ist Preisträgerin vieler internationaler Klavierwettbewerbe, u.a. gewann sie
den 1. Preis beim Internationalen "A.Scriabine" Wettbewerb in Paris, 
den 1. Preis beim DAAD-Wettbewerb, 
den 1. Preis und Publikumspreis beim Wettbewerb der "Da Ponte" Stiftung.
Aufgrund ihres herausragenden Talents war sie Stipendiatin der Yehudi Menuhins Stiftung "Live Music Now" und "Pestalozzi-Stiftung".



Das schreibt die Presse:

"Anna Tyshayeva spielte sich in die Herzen der Zuhörer"
Hersbrucker Zeitung 

"Ausdrucksstarke Klavierkunst"
Wilhelmshavener Zeitung 

"Finale für die Wettbewerbssieger... Nachdenklich, mit vielen Nuancen, vor allem im Piano spannungsreich und mit kultivierter pianistischer Kraft, ging Tyshayeva Liszts"Après une lecture de Dante" an."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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